Radetzky

Portrait eines Namens

Start | Presse-Kontor | Web-Texte | Kanzlei Kunst | Radetzky | Kontakt

Radetzky – der Feldmarschall

Radetzky – der Marsch

Radetzky – der Roman Radetzkymarsch von Joseph Roth

Radetzky – das Urteil zur Wortmarke

Radetzky – das Schiff

Radetzky – der Hengst

Radetzky – der Wein und der Spumante

Radetzky - Google-Beratung in München

Radetzky – der Feldmarschall

Feldmarschall Radetzky

Der Marschall wurde mit der Schlacht bei Custoza 1848 der Held Österreichs, bereits 82 Jahre alt. Da mag man sich fragen, ob er in all den Jahren vorher auch schon etwas geleistet habe.

Die Familie Radetzky stammt aus Nordostböhmen. Im Kreis Königgrätz lag die Stammburg Radetz, die aber schon im 15. Jahrhundert während der Hussitenkriege zerstört worden war. Überwiegend waren die Radetzkys Verwaltungsbeamte oder Soldaten der böhmischen Könige, später der Habsburger, nachdem 1526 Böhmen endgültig an diese gefallen war. 1684 wurde Johann Georg Radetzky zum Freiherrn und 1764 Wenzel Leopold Radetzky von Kaiserin Maria Theresia zum Grafen erhoben.

Der später baltische (livländische) Radetzky hatte nach einer Familienchronik bereits zur Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert die böhmische Heimat Richtung Norden verlassen und den Familienzweig in Mitau, der kurländischen Hauptstadt, begründet. Damit haben die baltischen Radetzkys die späteren Nobilitierungen der österreichischen Radetzkys nicht miterlebt.

Am 2. November 1766 wurde Johann Josef Wenzel Anton Franz Karl Graf Radetzky von Radetz als Sohn des Hauptmanns Peter Eusebius Radetzky geboren. Die Familie lebte auf einem Gut südlich von Prag. Die Mutter starb bei der Geburt, und schon mit 10 Jahren verlor der Knabe auch seinen Vater. Der Waise wurde anschließend von seinem Großvater Radetzky und einem Onkel in Wien, vorwiegend aber in einem Internat in Brünn, erzogen. Seiner frühen Vorliebe für Militärisches folgend durfte er das nach der Schule zunächst begonnene Jurastudium wieder beenden und mit 18 Jahren in ein Kürassierregiment eintreten. Als guter Reiter, der er war, wurde er dort akzeptiert. Für seine spätere Militärkarriere ist beachtlich, dass er keine Militärakademie besucht hat, sondern als Autodidakt seine Kenntnisse und Fähigkeiten als junger Offizier stets weiterentwickelte. Er schuf sich selbst die Grundlagen dafür, später das österreichische Heer in wesentlichen Bereichen wie Pionierwesen, Bewaffnung, Aufstellung und Training zu reformieren. Er war klug genug, aus den Siegen und Niederlagen anderer Feldherren zu lernen. So wurde Napoleon schließlich in der Völkerschlacht bei Leipzig mit seiner eigenen Taktik, dem Gegner möglichst keine Hauptschlacht zu bieten, sondern ihn in vielen Einzelgefechten zu zermürben, geschlagen.

1788 nahm Radetzky das erste Mal an einem Feldzug teil. Es ging gegen die Türken, wobei er sich als tapferer Truppenführer auszeichnete.
1798 heiratete er im Dienstgrad des Majors die erst 17jährige Gräfin Strasoldo, mit der er acht Kinder haben sollte: 5 Söhne und 3 Töchter, die aber fast alle relativ früh wieder starben. Nur der Sohn Theodor brachte es bis zum Generalmajor. Die Tochter Friederike wurde lebenslang seine besondere Vertraute, starb aber auch schon mit 50 Jahren. Einerseits Kindersegen, andererseits ständiger Geldmangel, weil beide Eheleute das Wirtschaften nicht erfunden hatten, das Familienklima war, so wird geschildert, oft angestrengt.

Die vielen militärischen Einzelheiten der unruhigen Zeit um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert und vor den napoleonischen Freiheitskriegen können hier nicht alle geschildert werden. Radetzky hatte an vielen militärischen Einsätzen teilgenommen und sich als umsichtiger sowie mutiger Truppenführer bewährt. Für den späteren Marschall ist aber wichtig, dass er 1809 zum Generalquartiermeister ernannt wurde. Im heutigen Sprachgebrauch würde man die Position mit Chef des Generalstabs bezeichnen. Als solcher gab er 1810 eine neue Geschäftsordnung für das Heer heraus, deren Kapitel auch heute aktuell klingen:
 

• Qualität vor Quantität: Reduzierung der Generalstabsstellen um 2/3
• Leitsätze zur Führung
• Geschäftseinteilung
• Richtlinien zur Fortbildung, nicht nur der Offiziere, sondern auch der Unteroffiziere und der Mannschaften

 
Im Jahre 1813 bildete
sich die Koalition aus Österreich, Preußen und Russland gegen Napoleon. Dabei beanspruchte und erhielt Österreich den Oberbefehl über die Koalitionstruppen. Damit stand der österreichische Generalstab im Zentrum der Planungen für das Vorgehen gegen die Armee Napoleons. Diese hatte mit Deutschen, Italienern, Spaniern, Portugiesen, Niederländern, Schweizern, Dänen und Polen wahrlich europäische Dimensionen mit 450.000 Soldaten. Dem standen 400.000 Mann der Koalition gegenüber.

Der Operationsplan wurde von dem General Radetzky unter dem Befehl des Feldmarschalls Schwarzenberg entworfen und am 7. Juli 1813 von den Monarchen der Koalition genehmigt: Die Kräfte Napoleons sollten, so der Vorschlag Radetzkys, in kleinen Vorgefechten abgenützt werden; der von Napoleon angestrebten Hauptschlacht sollte ausgewichen und ein Hauptschlag erst geführt werden, wenn alle eigenen Kräfte versammelt sein würden. Fast wurde dieser Plan vereitelt, weil der russische Zar ungeduldig seinen Truppen vorschnell den Befehl zum Angriff gab. Schnelles Umdisponieren durch Radetzky und der Befehl zum Eingreifen preußischer und österreichischer Truppen bewahrte aber die Koalition vor einer sicheren Niederlage.

Das Ergebnis der Völkerschlacht bei Leipzig ist bekannt: Napoleon wurde vernichtend geschlagen, bis nach Frankreich verfolgt und zur Abdankung gezwungen.

Drei Kaiser triumphierten:
Alexander I. von Russland
Friedrich Wilhelm III. von Preußen
Franz I. von Österreich

Mit dem Wiener Kongress wurde 1815 eine neue Ordnung für Europa vereinbart.

Der Generalstabschef hatte damit seine Schuldigkeit getan und wurde mit 50 Jahren als Divisionskommandeur in Böhmen kaltgestellt. In Wien wollte man den Heeresreformer nicht am Hofe haben. Seine Denkschriften, mit denen er grundlegende Änderungen in der Aufstellung und Bewaffnung des Heeres anregte, waren unbequem, weil sie nicht nur Umorganisationen, sondern auch viele Finanzmittel verlangten.

Daneben warnte er vor einer politischen Entwicklung, die allerdings erst 100 Jahre später und unter etwas anderen Vorzeichen als von ihm erwartet, eintreten sollte.
 

Zitate, nach der Biographie von Franz Herre

Österreich und Europa müssen darauf gefasst sein, dass Russland sich im Laufe des Jahrhunderts weiter ausdehnen werde. Danach strebe die russische Regierung, die an Schlauheit und fester Konsequenz alle anderen übertreffe.

• Man lasse Russland nur machen, in 50 Jahren werden ihm die Königreiche Mazedonien, Bulgarien, Armenien, Syrien etc. beigetreten sein.

• Bei dem mächtigen Einfluss, den es bereits auf Europa und Asien übt, und den es in Verbindung mit Nordamerika noch auf Afrika ausdehnen wird, kann es nicht fehlen, dass Russland als Schiedsrichter von vier Erdteilen sich emporschwingen wird.

• Ein ebenso unglückliches Ereignis wie die Ausbreitung Russlands sei für Europa das Entstehen eines großen und mächtigen Staatenbundes jenseits des Ozeans, denn die neuen Staaten, welche jetzt in Amerika heranwachsen, werden im Laufe der Zeiten Europa unterjochen.

Siehe dazu auch die Rezension in der ZEIT zu Franz Herre, Radetzky, Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981: Radetzky - ein Haudegen mit Strategie


Damit sagte Radetzky, ein Jahrhundert vor der Konferenz von Jalta
, die Teilung Europas zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika voraus. Das Ende der britischen Weltgeltung beschrieb er auch: Das große britische Reich in Ostindien wird sich von Großbritannien losreißen, ebenso werden sich die britischen Kolonien von England trennen.

Seine Antwort auf diese Herausforderungen lautete: Ein europäischer Bund, eine Organisation für den ganz Europa umfassenden Staatenbund, ist daher zur Stunde die dringendste Angelegenheit. Aber er sah auch realistisch, dass man sich zurzeit zu der hohen Idee einer Union Europas nicht erheben könne, denn Europa sei zerrissener denn je.

Der vorausschauende, aber unbequeme Denker wurde 1829 Festungskommandant in Olmütz, wohin nur 20 Jahre später sich der kaiserliche Hof bei Ausbruch der 1848er Revolution zurückzog. Seit 1830 hatten in Frankreich erneut bürgerliche Unruhen begonnen. Der Bürgerkönig Louis-Philipp kam dort auf den Thron. Unruhen gab es auch in der näheren Umgebung, wie in Polen, Sachsen, Hessen-Kassel, Braunschweig, Modena, Parma etc. So wurde Radetzky 1831 nach Oberitalien gesandt, wurde Kommandierender General in Mailand und sollte das lombardo-venetische Königreich, das nach dem Wiener Kongress als habsburgisches Kronland galt, militärisch sichern. Dort wurde er dann 1836 mit 70 Jahren und nach 52 Dienstjahren zum Feldmarschall ernannt.

Auch in Mailand konnte Radetzky das Reformieren seiner Truppen nicht unterlassen. Die oberitalienische Armee machte er zur Musterarmee des Kaisers: Moderne Truppengliederung, Einführung der Pioniertruppe, mehr militärische Ausbildung der Soldaten nach genauen Richtlinien, Achtung des einzelnen Menschen, mehr Sold, Führung durch das eigene Beispiel, bessere Bewaffnung und Ausrüstung waren Eckpunkte dieser Reformen. Wegen seines Einsatzes auch für den einfachen Soldaten nannten sie ihn "Vater Radetzky".

Radetzky-Medaillen aus Zinn und Bronze von 1848 bis 1859

 

Als seit etwa 1847 auch in Österreich die liberalen Strömungen spürbarer wirkten und in Italien die Bestrebungen, ein einiges unabhängiges Italien zu gründen, zunahmen, kam es noch einmal zu einer großen Bewährungsprobe für den alten Marschall. Der kaiserliche Hof musste mit der Märzrevolution 1848 Wien verlassen. Metternich wurde gestürzt. Die Hofpolitik schrieb den Kommandierenden Generälen in Böhmen (Fürst Windisch-Grätz) und Italien (Graf Radetzky) vor, den aufständischen Kräften nicht entgegenzutreten. Auf Vorschlag von Radetzky verabredeten die beiden Generäle aber, sich an diese Weisung nicht zu halten, informierten den Hof nicht und gaben die aus ihrer Sicht zur Rettung des Kaiserreiches erforderlichen Befehle zur Abwehr der revolutionären Angriffe. Ein seltener Vorgang von Ungehorsam an höchster Stelle, der für 70 Jahre die alte Ordnung erhalten sollte. In Kenntnis der weiteren Entwicklung in Europa ist eine Beurteilung sicherlich nicht einfach, eher zwiespältig.

In Oberitalien aber, das 1859 schließlich nach der Schlacht bei Solferino für Österreich doch verloren gehen sollte, ging das Revolutions- und Kriegsglück zunächst hin und her. Im März 1848 musste Radetzky Mailand vor den Truppen der Piemontesen räumen. In ganz Italien wurde zum Heiligen Krieg gegen Österreich aufgerufen. In diesem Jahr schrieb Franz Grillparzer das Gedicht "Feldmarschall Radetzky" mit der zum geflügelten Wort avancierten Zeile "In deinem Lager ist Österreich", verewigt auch auf dem Radetzky-Denkmal in Wien:

Feldmarschall Radetzky
Glück auf, mein Feldherr, führe den Streich!
Nicht bloß um des Ruhmes Schimmer,
In deinem Lager ist Österreich,
Wir andern sind einzelne Trümmer.

Am 25. Juli 1848 schlug Radetzky dann mit seinen inzwischen aus verschiedenen Garnisonen verstärkten Truppen in der Schlacht bei Custoza den König Karl Albert von Sardinien-Piemont und zog am 6. August wieder in Mailand ein, umjubelt von einer Bevölkerung, die den Anspruch von Karl Albert, ein vereinigtes Italien zu führen, nicht akzeptieren wollte. Wie überhaupt die Uneinigkeit der Italiener, wer denn ein geeintes Italien führen solle, den Österreichern geholfen hat, in Oberitalien ihre Macht noch ein Jahrzehnt zu erhalten. Selbst Papst Pius der IX. wollte den italienischen Führer abgeben.

Am 24. August 1849 wurde auch Venedig wieder aus der Hand der Aufständischen befreit und am 13. September 1849 gab es für den greisen Marschall einen triumphalen Siegeseinzug in Wien mit großer Parade am 22. September, zu der die Militärkapellen den Radetzkymarsch spielten.

Bis 1856 war Radetzky dann in Oberitalien nicht nur militärischer Kommandeur, sondern als Gouverneur auch politischer Vertreter der Krone. In Mailand hat er seinen Lebensabend verbracht, als geliebter Soldatenvater einerseits und in ständiger Auseinandersetzung mit den politischen Kräften, die nach bürgerlichen Freiheiten und selbständigem Italien verlangten, andererseits. Es blieb ihm erspart, den Verlust Oberitaliens nach dem Eingreifen der Franzosen auf Seiten der Italiener mitzuerleben.

Am 28. Februar 1857 wurde Radetzky mit 90 Jahren und nach 72 Dienstjahren pensioniert. Zuvor hatte er, wie es damals die Hofetikette verlangte, untertänigst um seinen Abschied gebeten. Er hatte noch zwei wichtige private Vereinbarungen getroffen:

Mit dem Heereslieferanten Pargfrieder, der durch die Ausrüstung der oberitalienischen Armee zum Kriegsgewinnler geworden war, vereinbarte er, dass seine Grabstätte auf dem von Pargfrieder eingerichteten Heldenberg in Klein-Wetzdorf sein solle. Pargfrieder wollte sich zwischen zwei berühmten Heerführern, denen er mittelbar sein Vermögen zu verdanken hatte, verewigen. Der andere war Marschall Max von Wimpfen. Auch hier soll Radetzky als Gegenleistung um lebenslange Weinlieferung gebeten haben. Für ihn hatte die Abmachung aber noch einen weiteren Hintergrund, denn er wollte dem kaiserlichen Hof eins auswischen. Das Hofprotokoll hätte bei dem Ableben des Marschalls ein prunkvolles Staatsbegräbnis vorgesehen. Dieses Schauspiel wollte Radetzky dem Hof nicht gönnen, denn er war über mehr als zwanzig Jahre ohne Beförderung geblieben und hatte auch sonst nicht die finanziellen Zuwendungen vom Hof erhalten, die er in seinen Stellungen erwartete. Diese Behandlung hatte zu seinen engen Finanzverhältnissen beigetragen und ihn sehr verbittert.

Die andere Vereinbarung mit dem Weingut Wichtl ist bereits oben geschildert.

Am 5. Januar 1858 ist Radetzky mit 91 Jahren in Mailand friedlich gestorben. Die Feldmarschalle Max von Wimpffen und Radetzky wurden in der Gruft des Heldenbergs beigesetzt.

Er hat uns, die wir nicht das Soldatenhandwerk ausüben, zumindest das Wiener Schnitzel, das er aus Mailand mitbrachte, den flotten Marsch und einen neueren Spumante hinterlassen. Den Soldaten aber ist er als herausragender Stratege und vorbildlicher Führer der ihm anvertrauten Truppen in Erinnerung. Dazu Herders Conversations-Lexikon, Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 657: "R. bewies sich im Felde als den großen Feldherren aller Zeiten ebenbürtig, zugleich aber verstand er es in seinem Heere eine musterhafte Mannszucht unter den schwierigsten Umständen aufrecht zu erhalten, so daß die Erbitterung der Soldaten sich nicht in Ausbrüchen Luft machte, wie dies z.B. bei frz. Heeren immer der Fall war, wenn sie sich von Verrath u. Aufruhr bedroht wußten; seine Soldaten vertrauten ihm als ihrem Vater und nannten ihn so u. während er den bewaffneten Feind niederwarf, bewies er Milde gegen die Unterworfenen u. unerbittliche Strenge lediglich gegen unverbesserliche Aufrührer."

Beeindruckend sind die Obelisken in Custoza (Foto links) und Solferino, unter denen die Italiener die Gebeine ihrer Gefallenen und der österreichischen Gegner in gegenseitiger soldatischer Achtung beigesetzt haben. Die Schlacht bei Solferino mit ihren hohen Verlusten war Anlass, das Rote Kreuz als neutrale Hilfsorganisation für die verletzten Soldaten zu gründen.

2009 wurde in der Nähe Prags, in Brandys nad Labem (Brandeis a.d. Elbe), ein restauriertes Denkmal des Feldmarschalls im Beisein seines Urenkels, des Münchner Künstlers Cäsar W. Radetzky-Radetz, feierlich enthüllt. Zur gleichzeitigen Ausstellung im Schloss Brandys wurde dem Maler die Maria Theresia Medaille durch Erzherzog Georg von Habsburg-Lothringen verliehen.

Radetzky – der Marsch

Aus dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker ist er nicht wegzudenken. Mit dem flotten Radetzky–Marsch wird das Konzert traditionell beendet. Die dabei gespielte Version ist aber nicht mit der Urfassung identisch, sondern es handelt sich um eine Konzertversion mit einer reichhaltigeren Instrumentierung. Millionen in aller Welt kennen die Melodie des Radetzky-Marsches.

Johann Strauss (Vater), der Hofballmusikdirektor, hatte den Marsch zu Ehren des Feldmarschalls Graf Radetzky von Radetz komponiert und als Opus 228 mit dem Titel versehen:

Radetzky Marsch, zu Ehren des großen Feldherrn für das Pianoforte komponiert und der k.k. Armee gewidmet

Die Uraufführung fand 1848 am Wasserglacis in Wien zur Siegesparade statt.

 

 

Das berühmte Thema des Marsches hatte Strauss bereits vorher in der "Jubel-Quadrille" (Opus 130) verwendet. Die hohe Popularität des Marsches und seine für Österreich-Ungarn geradezu symbolische Bedeutung führten auch dazu, dass auf seinen markanten Rhythmus viele verdeckt oder offen spöttische Texte umliefen, z. B.: Wenn der Mops mit der Wurst übern Rinnstein springt und der Storch in der Luft den Frosch verschlingt. Oder die bayerische Variante: Wenn das Volk bei der Wahl über’n Beckstein springt, und dabei auch den Huber gleich ganz verschlingt... Es soll 700 Varianten geben.

Für den Marsch verwendete Strauss auch eine ältere Volksmelodie im Dreivierteltakt, genannt Alter Tanz aus Wien oder Tinerl-Lied (benannt nach einer damals populären Sängerin). Als Radetzky nach der siegreichen Schlacht bei Custoza nach Wien zurückkehrte, sangen seine Soldaten auf der Straße dieses populäre Lied. Angeblich hörte Strauss diesen Soldatengesang und baute ihn, allerdings im Marschtakt, aber melodisch kaum verändert, in den Radetzkymarsch ein.

Radetzky – der Roman Radetzkymarsch

Joseph Roth erzählt in seinem 1932 erschienenen Roman Radetzkymarsch die fiktive Geschichte der dem Kaiserhaus der Habsburger schicksalhaft verbundenen Familie Trotta. An diesem Geschlecht zeigt er den sozialen Aufstieg in der kaiserlich österreichischen Armee und schildert kritisch, aber mit viel spürbarer Zuneigung die zu Ende gehende Epoche der Habsburger.

Aus ärmlicher slowenischer Bauernfamilie im fiktiven Dorf Sipolje stammend rückt ein Trotta in der Armee bis zum Wachtmeister auf. Seinem Sohn Joseph eröffnet er eine niedere Offizierslaufbahn. Dieser bringt es zunächst zum Leutnant der Infanterie. In der Schlacht von Solferino rettet Leutnant Joseph Trotta dem jungen Kaiser Franz Joseph I. das Leben. Als "Held von Solferino" wird er dafür mit dem Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet, als "Joseph Trotta von Sipolje" in den Adelsstand erhoben und zum Hauptmann befördert.

Sein Enkel Carl Joseph will eigentlich kein Soldat sein, doch folgt er gemäß dem Ethos der Pflichterfüllung dem Auftrag seiner Familie. In seinem Werdegang als Leutnant in verschiedenen Garnisonen gewinnt das Leben in der alten Donaumonarchie erstaunliche Anschaulichkeit und Leuchtkraft. Schärfste Gesellschaftskritik, besonders am Offiziersstand, wird immer wieder durch einen liebevollen und anmutigen Humor gemildert. Wie am Anfang des Aufstiegs einer Familie der Einsatz eines Menschenlebens für den Kaiser gestanden hat, steht am Ende ein Opfergang für die namenlosen Kameraden: Carl Joseph fällt im Ersten Weltkrieg bei dem Versuch, Wasser für seine Soldaten zu holen. Der adelige Zweig der Familie Trotta erlischt mit ihm.

Der Roman wurde mehrfach verfilmt und auch als Fernsehfilm gezeigt.

Ein anderer Nachkomme der Trottas ist die Hauptperson des 1938 erschienenen Romans Die Kapuzinergruft. Hier schildert Joseph Roth ebenso einfühlsam das Ende des Habsburgerreiches.

Radetzky – das Urteil zur Wortmarke

Selbst bei den Juristen spielt seit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 9.12.2008 der Name Radetzky eine Rolle. Der Verein Radetzky Orden und die Bundesvereinigung Kameradschaft Feldmarschall Radetzky hatten vor dem Obersten Patent- und Markensenat in Wien darüber gestritten, in welchem Umfang ein ideeller Verein seine als Warenzeichen angemeldete Marke benutzen muss, damit diese ihren Markenschutz behält. Bei dieser Frage ging es auch um die Auslegung einer entsprechenden europäischen Richtlinie, so dass der EuGH mit einer Vorlage eingeschaltet werden musste.

Der EuGH entschied dabei zu Gunsten der Kameradschaft Feldmarschall Radetzky, dass eine Marke ernsthaft benutzt wird, wenn ein ideeller Verein sie in der Öffentlichkeit auf Ankündigungen von Veranstaltungen, auf Geschäftspapieren und auf Werbematerial verwendet und sie von den Mitgliedern beim Sammeln von Spenden als Ansteckzeichen verwendet wird. Dem Einwand des Radetzky–Ordens, dass darüber hinaus eine weitere Geschäftstätigkeit für den Markenschutz notwendig sei, z.B. das Angebot und die Durchführung von Sanitätsdiensten, folgte der EuGH nicht.

Die Entscheidung des EuGH über den Streit zweier österreichischer Vereine ist unter der Bezeichnung Radetzky–Urteil für die Markenrechtler in der EG von Bedeutung.

Radetzky – der Zuchthengst

Im Jahre 1951 wurde in einem niedersächsischen Gestüt der Schimmelhengst Radetzky geboren und von dem Nordrhein-westfälischen Landgestüt Warendorf als Einjähriger zu Zuchtzwecken erworben.

Im Verlauf der zwanzigjährigen Zuchtbenutzung entwickelte er sich zu einem "Stempelhengst" in den Zuchten Westfalens sowie des Rheinlandes und war der Gründer einer bis heute blühenden Dynastie dressurbegabter Hengste.

Bereits 1981 hatten 20 gekörte, also für die Zucht zugelassene, Söhne und 224 beim Westfälischen Pferdestammbuch registrierte Stuten für die Verbreitung seines Blutes gesorgt. Die aktuelle Gesamtzahl seiner Nachkommen konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

 

Die Radetzky–Nachkommen vererben für die Zucht wichtige arabische Elemente über viele Generationen, was bei anderen Hengsten mit arabischer Blutkomponente nicht gelungen ist.

Dieser Radetzky ist 1974 eingegangen. Zur Würdigung seiner Zuchtleistung wurde 1981 eine Radetzky–Medaille geprägt.

Bilder: Radetzky-Medaille des Nordrhein-Westfälischen Landgestüt Warendorf 1981

© Fotos: Landgestüt Warendorf

Radetzky – das Schiff

Es verwundert sicherlich nicht, dass das kaiserliche Österreich eines seiner Schlachtschiffe nach dem berühmten Marschall genannt hat. Es gab sogar eine ganze "Radetzky–Schlachtschiffklasse", die aus drei Schiffen bestand:

• SMS Radetzky (Typschiff)

• SMS Zrínyi

• SMS Erzherzog Franz Ferdinand

Die Schiffe der Radetzky–Klasse wurden zwischen 1907 und 1910 in Triest gebaut. Sie nahmen nur in begrenztem Umfang am Ersten Weltkrieg teil, da sie bei Kriegsausbruch bereits veraltet waren. Nach dem Krieg wurden die Schiffe an Italien übergeben, wo sie zwischen 1920 und 1926 abgewrackt wurden. Also kein rühmliches Ende.

Wichtiger erscheint der Hinweis auf ein österreichisches Passagierschiff namens Radetzky, das im Freiheitskampf der Bulgaren besondere Bedeutung erlangte. Der Raddampfer "Radetzky" wurde 1851 in Budapest gebaut (Bild links).

Im Mai 1876 nahmen der bulgarische Revolutionär und Dichter Hristo Botev und seine Soldaten das Schiff und seinen Kapitän auf der Donau in ihre Macht und erreichten auf ihm die bulgarische Küste. Dort begann ihr heldenhafter Feldzug gegen die osmanische Armee zur Befreiung Bulgariens. Hristo Botev und das Schiff "Radetzky" sind ein Symbol der Freiheit für alle bulgarischen Generationen nach 1878.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab es verschiedene Versuche seitens der Bulgaren, das Schiff von Österreich-Ungarn zu kaufen. Es ist leider nicht dazu gekommen. Das Schiff wurde 1924 in Österreich verschrottet.

1966 sammelten die Bulgaren Geld für den Neubau des Schiffes. Der Raddampfer wurde anschließend nach alten Plänen als Passagier- und Museumsschiff originalgetreu nachgebaut – an der Spitze mit dem Anker und mit der Büste vom Marschall Radetzky (Bild unten). Das neue Schiff ist 57,40m lang und 17,50m breit.

1982 erklärte die bulgarische Regierung das Schiff zum Nationalmuseum.

Zur Ehre des Schiffes prägte Bulgarien 1992 eine 100 Lewa Silbermünze als offizielles Zahlungsmittel (Bilder links).

 

 

 

Nach der Wende war das Schiff im Jahre 2002 sogar ein Thema auf einer Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Donauländer (siehe unten Auszug aus dem Protokoll). Die Arbeitsgemeinschaft hat dann finanziell geholfen.

Heute liegt der Dampfer Radetzky in Kozloduy. Man kann mit dem Museumsschiff auf der Donau Tagesfahrten unternehmen.

ARBEITSGEMEINSCHAFT DONAULÄNDER

14. Sitzung der Arbeitsgruppe der Leitenden Beamten, 14. Juni 2002, Bukarest, Rumänien

B E S C H L U S S P R O T O K O L L (Auszug)

Die Vertreter der Region Russe danken dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe der Leitenden Beamten Dr. Werner Seif für die Bemühungen, die Sanierung des historischen Schiffes Radetzky durch die Arbeitsgemeinschaft zu unterstützen. Dieses Schiff hat eine besondere Bedeutung in der Geschichte Bulgariens, Rumäniens und der Österreich - Ungarischen Monarchie. Es wurde vor etwa 140 Jahren gebaut und war im gesamten Donauverlauf im Einsatz. Während der bulgarischen Freiheitskämpfe erlangte es für Bulgarien große Bedeutung. Das Schiff befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Ziel ist es, dieses Schiff für Fahrten auf der Donau zwischen Rumänien und Bulgarien zu nutzen.

Auch Russland hatte ein Schiff namens General Radetzky. Laut The Shipslist lief es unter dem Namen Thomas Wilson in West Hartlpool in England 1870 vom Stapel und wurde 1901 an die Reederei Gebrüder Seeberg, Riga, verkauft. Diese gab ihr den Namen General Radetzky. Die New York Times meldete am 21. Juli 1915, das Schiff sei am 20. Juli 1915 gesunken, getroffen von einem deutschen Unterseeboot. Es muss sich um das in der Shipslist genannte Schiff handeln, auch wenn die Daten mit der NYT nicht übereinstimmen.

Radetzky – der Wein und der Spumante

Die Vorfahren der heutigen Familie Wichtl sind nachweislich seit 1783 ansässig in Großwetzdorf, einem Dorf im Weinviertel von Niederösterreich. Die Bauern waren damals unfrei, der Grundbesitz gehörte der Herrschaft Wetzdorf. Erst das Revolutionsjahr 1848 brachte für die Bauern die Grundentlastung. Das Lehnswesen wurde damals in ganz Österreich abgeschafft. Nach der Grundentlastung ist nun jeder Bauer sein eigener Herr am Hof.

Radetzky-Weingut darf sich der Wichtl-Hof nennen, weil zu seinen Lebzeiten der Marschall Radetzky nach der 1848iger Revolution mit dem damaligen Besitzer, dem Ururgroßvater des jetzigen Inhabers, eine schöne Vereinbarung schloss: Der Verehrer des Marschalls durfte den berühmten Namen seines Kunden als Unternehmensbezeichnung führen, der Marschall aber soll um lebenslang kostenfreie Weinlieferung gebeten haben. Dieser Vertrag hatte sogar in einem langwierigen Namensstreit mit dem Ururenkel des Feldmarschalls Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz, der seinen Wein Graf Radetzky nennen wollte, in den 1990iger Jahren vor dem obersten Gericht in Wien Bestand, siehe auch hier ein Radetzky-Urteil.

1986 übernahm Leopold Wichtl den Betrieb seiner Eltern. Auf einer Rebfläche von etwa 30 ha werden rund um den weltbekannten Heldenberg, wo sich die letzte Ruhestätte des Feldmarschalls Radetzky befindet, nach ökologischen Grundsätzen ausschließlich Weine aus eigenem Lesegut gekeltert. Der Großteil der Weine wird Österreich-weit verkauft. Derzeit wird versucht, auch im benachbarten Ausland und in England Fuß zu fassen. Seine Ziele beschreibt der heutige Inhaber, Leopold Wichtl, wie folgt: "Ziel muss es sein, durch ökologische Bewirtschaftungsweise unsere Kulturlandschaft zu erhalten und die Bevölkerung mit gesunden, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen. Außerdem muss heute jedem Landwirt bewusst sein, dass er als Bewirtschafter und Pfleger unserer Kulturlandschaft auch für die Aufrechterhaltung einer gesunden Umwelt und die Erhaltung von sauberen Gewässern und sauberem Trinkwasser Sorge zu tragen hat." Probieren Sie doch einfach mal die Radetzky-Perle vom Radetzky Weingut Wichtl in Grosswetzdorf.

Den Radetzky Spumante haben wir 1991 auf einer Reise durch Oberitalien in der Cantina Soziale di Custoza entdeckt. Bei Custoza hatte der Marschall seine wichtige Schlacht gegen die Piemontesen 1848 gewonnen (rechts der Obelisk zur Erinnerung an die Schlacht bei Custoza). Ihm zu Ehren wurde 1990 ein brut ausgebauter Spumante – auch die italienischen Sekte dürfen nach europäischem Weinrecht die Bezeichnung "methode champanoise" nicht mehr führen – auf den Markt gebracht. Man will damit den Befreier von der piemontesischen Vorherrschaft würdigen, obwohl er ja das Land unter der österreichischen Krone hielt. Wir beziehen den Spumante seither regelmäßig als Hausmarke.

Sie sind Weinhändler, ein Gastronomie-Betrieb oder ein Weinhändler? Den Radetzky-Sekt aus Custoza südlich des Gardasees liefert die Weinagentur Palorino in Ora bei Bozen an Fachhändler. Sie sind Weinhändler? Beziehen Sie den preisgünstigen Bianco di Custoza oder den preisgekrönten Bardolino Biowein von Palorino, dem Weingrosshändler in Südtirol.

Text: Eberhard v. Radetzky, Juni 2009


Steiff Teddybär Feldmarschall Radetzky

Wie populär der Feldmarschall in Österreich ist, zeigte sich 2008 zu seinem 150. Todestag. Der Teddybär-Produzent Steiff ließ den Radetzky-Marsch im Radetzky-Teddy erklingen.

© Foto: Margarete Steiff GmbH

 

Radetzkys in Deutschland:

Kunst in Berlin: Cäsar W. Radetzky, 2015 Umzug des Malers von München nach Berlin

Kanzlei Versicherungsrecht: Eberhard v. Radetzky, Rechtsanwalt in Iffeldorf

SEO in München: Gerda v. Radetzky, Geschäftsführerin von Optimierung.Net in München

Schauspielerin, Regisseurin: Judith v. Radetzky, Künstlerische Leiterin des Graphit Theater Labor in Berlin, das u.a. Schauspielseminare anbietet.

Radetzkys in Italien:

Katharina Radetzky, Organisatorin des "1piu1fa3" Marktes in Lisciano Niccone, Umbria, Italia

Radetzky Café: Café und Restaurant in Mailand

Radetzky Portal | Presse-Kontor | SEO | KanzleiKunst | Bücher | Radetzky | Kontakt


Zitronen-RezepteExotische Früchte | Zitronen-Rezepte

© 1998-2016 Gerda von Radetzky, 80469 München, Telefon: +49.89.210315-93. Impressum / Datenschutz