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Die Gründerszene in Deutschland: Kapital versus Konnektion

In ähnlicher Form erschienen in VentureCapital, Abo-Supplement von GoingPublic 5/02
von Gerda von Radetzky

 

Die deutsche Gründerszene ist uneinheitlich, Interesse am wirtschaftlichen Erfolg haben viele: vom Bildungs- und Wirtschaftsministerium über Länder, Städte und Gemeinden bis hin zu Universitäten. Jeder Landesfürst behauptet von sich, die beste Infrastruktur bieten zu können. Auf der privatwirtschaftlichen Seite suchen neben Gründungs- und Risikokapitalgebern Bauträger und Industrie Kontakt zu Jungunternehmern. Gerangelt wird um Geld: aus öffentlichen Töpfen und aus Privatschatullen. Die Deutsche Ausgleichsbank rief jüngst zusammen mit dem Deutschen Städtetag zur Initiative "gründerfreundliche Kommune" auf. Erkannt haben Städte und Gemeinden, dass junge Firmen Mitarbeiter anziehen und somit Steuergelder in die leeren Kassen spülen. Doch nicht der Standort allein entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines jungen Unternehmens.

"Ob eine Unternehmensgründung Erfolg hat, entscheidet der Markt." Auf diese knappe Formel bringt Prof. Dr. Hans-Jürgen Warnecke die in Deutschland beklagte Innovationsschwäche. Für den Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft liegen die wesentlichen Hemmnisse in der Tatsache, dass die Deutschen "es gern kompliziert machen", dass "zu wenig mit Kunden geredet" werde. Und es fehle an Mut, Zeit und Ausdauer.

Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, der bereits 1984 als Spin-Off der Universität Saarland die Softwarefirma IDS Scheer gründete und heute über Niederlassungen in 15 Ländern herrscht, sieht der Deutschen Problem darin, dass "kaum ein Produkt, das hierzulande entwickelt wird, in den Weltmarkt vordringt". Es fehle an Markt-bezogenem Know-how.

Euros in Millionenhöhe liegen trotz einer eigenen Entwicklungsabteilung bei Giesecke + Devrient. Mit 1,1 Mrd. Euro Umsatz in 2000 gehört der Münchner Konzern zu den weltweit führenden Unternehmen rund um Banknoten und Karten. Wo die Innovativen sitzen, ist vollkommen egal. "Ich möchte das Geld gern in junge Unternehmen investieren", meint Vorstand Willi Berchtold, "aber wir finden nichts." Es gäbe "eine Vielzahl von Ideen", doch "wenn man tiefer einsteigt, ist die Substanz nicht da." Es mangele an Menschen, die Ideen auch umsetzen könnten.

 

Intendanten für den Markt

Da könnten Gründer- und Technologiezentren, Wissenschafts- und Technologieparks, Startpoints und Kompetenzzentren helfen. Die dort einziehenden Jungen erhoffen sich vor allem neben technischen Hilfen wie kompletter Büroausstattung Know-how, das Profitieren vom Wissen der anderen. Der Verband der Zentren ADT e.V. listet 209 Orte auf, an denen 5.025 Unternehmen arbeiten. Doch das dringlichste Problem der meisten Jungen wird kaum gelöst: Ihre Innovation auch in den Markt zu bringen, obgleich es die Standortbetreiber interessieren müsste, den Umsatz der Mieter zu erhöhen, auf dass es dadurch an Attraktivität gewänne.

Doch Vertrieb ist ein Fremdwort. Die Ursache führt Dr. Herbert Pollak, verantwortlich für den Technologie-Transfer der Bundeswehrhochschule in München, zurück auf die Einstellung vieler Professoren, Marketing sei "Reklame", und damit habe man ja wohl nichts zu tun.

Katharina Roderburg, Managerin bei Forschungsland Nordrhein-Westfalen, einer Institution, die eine Mittlerrolle zwischen Spin Offs und Gründerzentren rund um 55 NRW-Hochschulen und der Industrie einnimmt, beklagt vor allem, dass es "keine ausreichende Orientierung" gäbe, niemand wisse, wer eigentlich was wo mache. Sie bedauert vor allem, dass "so viel an Möglichkeiten nicht genutzt" werde, von Seiten der Hochschulen wie der Industrie. Jüngst habe ein US-amerikanisches Unternehmen 1,6 Milliarden US-Dollar einsetzen wollen zur Entwicklung eines Produkts in der Medizintechnik. Die Datenbank, die auf Knopfdruck entsprechende Zentren ausspuckt, entstehe gerade erst.

Prof. Dr. Josef Nassauer will diesem Dilemma abhelfen, in dem er "wissenschaftlichen Instituten und Start-ups full service außerhalb der eingefahrenen Wertschöpfungsketten" bietet. Zur diesjährigen CeBIT hätten sich für den Gemeinschaftsstand Bayern Innovativ 120 Firmen beworben, 20 seien ausgewählt worden. Eine der Bedingungen, die sie erfüllen mussten, betraf die "Innovationstiefe". Der Standort spielte insofern eine Rolle, als eine "regionale Ausgewogenheit" versucht wurde. Der Geschäftsführer von Bayern Innovativ legt besonderen Wert auf Gespräche zwischen Jungunternehmern, Wissensträgern und Industrie. "Wir sind keine Broker, sondern Intendanten, wir bieten Marktplätze für Stürmer, nicht Verteidiger", umreißt er seine Aufgabe.

Auf internationaler Ebene erleichtert die Europäische Kommission den direkten Kontakt zwischen innovativen Unternehmen und potenziellen Partnern mit dem 1995 gegründeten "Network of Innovation Relay Centres" (www.irc-paris-idf.net). Auf der CeBIT und der Hannover Messe fanden über die 68 nationalen IRC organisierte Gespräche zwischen Jungen und Etablierten aus 28 europäischen Staaten statt.

 

Förderung mit Hemmnissen

Deutsche Gründer suchen vielerorts zuerst einmal öffentliche Fördertöpfe, hinter denen weder VCs noch die Industrie stehen. Bundeswirtschafts- und Bildungsministerium verteilen Milliarden-Beträge, Länder und Gemeinden geben Zuschüsse. René Skorwider zog ins Merseburger Innovations- und Technologiezentrum MITZ, weil die Pauschale für Sekretariat und Infrastruktur mit 100 Euro pro Monat sehr günstig ist. Er erhoffte sich eine Existenzgründungs-Förderung durch die Industrie- und Handelskammer. Doch die verlangt einen Nachweis des Marketing-Know-how mittels eigener Kurse. "Jetzt soll ich ein Jahr lang zwei bis drei Tage die Woche die Schulbank drücken, obwohl ich das vier Jahre lang studiert habe," entrüstet sich der diplomierte Wirtschafts-Ingenieur. Er müsse schließlich seine Firma voranbringen, die Verwaltungssoftware entwickelt. Konsequenz sei, dass die Entwicklung langsamer laufe als geplant. Fremdkapital möchte er nicht aufnehmen, da er befürchtet, sonst "am Markt vorbei zu entwickeln", weil er dann nicht mehr unabhängig sei. Schon wanderte Ingo Günther mit seiner in Gründung befindlichen Firma Lovespace ab, über die Grenze nach Sachsen, in ein wenige Kilometer entferntes Gründerzentrum bei Leipzig, weil dort die IHK keine Anwesenheitspflicht verlangt.

Wie wichtig die Unterstützung durch Förderung ist, beschreibt Dr. Udo Heuser. Entwickelt werden konnte seine Such-Software nur, weil das Land Baden-Württemberg ein Jahr lang drei halbe Personalstellen finanzierte. Zudem sitzt die Insuma AG, die er mit zwei IT-Kommilitonen und einem Juristen als Spin-Off der Universität Tübingen 2001 gründete, noch in einem Uni-eigenen Gebäude, mit geringen Mietkosten. "Verdienen können wir erst, wenn wir unsere Technologie verkauft haben," meint der Vorstand. Primäres Ziel sei es, nicht Geld, sondern Lizenznehmer zu finden, also Kunden.

Das beste Gründungsklima zu bieten, davon ist der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi überzeugt und führt dies auf "die Aufbruchstimmung" und den Arbeitsmarkt zurück. Michael Langhoff, Vorstand der HiSolutions, unterstreicht: "Wir haben mehr Kunden in München als in Berlin, aber hier finden wir Mitarbeiter." Die Hauptstadt lockt mit mehr als 80 Beratungs- und Serviceeinrichtungen in zehn Gründerzentren.

 

Siemens-Kapital sucht Know-how

Gigant IBM bietet grundsätzlich keine konkrete Unterstützung für neue Unternehmen an, weder Raum noch Geld. Newcomer werden in Projekte einbezogen, und, sollte Big Blue ein entsprechendes Umsatzpotential sehen, wird über Allianzen nachgedacht. Gegenspieler Siemens investiert dagegen mit mehreren 100%igen Töchtern: Die Siemens Venture Capital finanziert Techniken, die das Kerngeschäft von Siemens verstärken. Dass junge Firmen für VC-Kapital interessant werden, dafür sorgt die Siemens Business Accelerator (SBA). "Das Grundkonzept ist die Unterstützung von Start Ups und Spin Offs," meint Andreas Gillhuber und führt The Agilience Group an. Einige Siemens-Mitarbeiter hatten die Firma per Management-Buy-Out gegründet, Siemens behielt elf Prozent an bereits vorhandenen Patenten. Inzwischen werden die Knowledge-Management-Produkte zurückverkauft an Siemens und andere. SBA stellt nicht Geld, sondern wesentliche Grundlagen zur Verfügung: Büros direkt am Münchner Flughafen mit modernster IT-Infrastruktur und Basisdiensten sowie - und dass ist für Gillhuber entscheidend  Zugang zum Siemens Service-Netzwerk mit internen und externen Partnern für die Geschäftsentwicklung vom Personalaufbau über Anschubfinanzierung bis zu Pressearbeit. Der Leiter von SBA gewährt den Jungen einen sechs-monatigen Testlauf, coacht sie und schafft Kontakte zu Siemens-Kunden. Es versteht sich von selbst, dass nur derjenige einziehen kann, dessen Ideen zu Produkten des Siemens-Konzern passen.

 

Gutes Image, angenehme Atmosphäre - wie lange noch?

Einer, der es nicht bedauert, nach dem Abitur nicht studiert zu haben, ist Henning Meyer und nennt stolz "Konrad-Zuse-Straße 1" als Adresse. Hier liegt in Höxter der Techno-Park UmTec*. Mit 15 Jahren gründete er mit einem 18-jährigen Freund eine Firma und zog dort ein, um die Infrastruktur vom Internetanschluss bis zum Konferenzraum nutzen zu können. Inzwischen zum IT-Systemhaus mit sieben Angestellten gewachsen, setzte die MR Computer GmbH & Co. KG im letzten Jahr 1 Mio. Euro um, ohne Fremd- oder Fördergeld. Doch der Standort bleibt, denn "TZs haben ein gutes Image, hier herrscht eine angenehme Atmosphäre, und wir schieben uns gegenseitig Kunden zu", umreißt der 21-Jährige die wesentlichen Gründe. Im übrigen kämen neue Kunden über Mund-zu-Mund-Porpaganda.

*Am 2. August 2002 teilte Renate Seel dem Presse-Kontor mit, der Techno-Park UmTec befände sich in Liquidation, der Standort der MR Computer GmbH bleibe davon jedoch unberührt.

© Text: Gerda von Radetzky

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